Wie Pferdeschutz Leben verändert - Ein Erfahrungsbericht
- Schülerzeitung
- Jun 20
- 4 min read
Ein Beitrag und Erfahrungsbericht unserer Redakteurin Amelie Trost
Tierschutz ist ein Thema, das immer mehr Menschen beschäftigt. Im Bereich des Pferdesports wird der Ruf nach einem bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang immer lauter. Ist der Reitsport überhaupt noch zeitgemäß? Steht das Wohl des Pferdes wirklich immer an erster Stelle? Oder haben Leistungsdruck, Prestige und wirtschaftliche Interessen längst die Oberhand gewonnen? Wo verläuft die Grenze zwischen Partnerschaft und Leistungsdruck? Genau mit diesen Fragen habe ich mich in den vergangenen Jahren immer intensiver beschäftigt.
Ich habe schon mein ganzes Leben lang mit Pferden zu tun. Allerdings eine sehr lange Zeit aus einer ganz anderen Perspektive. Viele Jahre stand für mich der Turniersport im Mittelpunkt. Leistung, Erfolge und der Wunsch, immer besser zu werden, bestimmten meinen Alltag. Doch je mehr Erfahrungen, vor allem negative, ich sammelte, desto mehr Dinge vielen mir auf, die ich irgendwann nicht mehr ignorieren konnte. Ich fragte mich immer häufiger, ob der Umgang mit Pferden immer zu ihrem Wohl führt und ob es nicht wichtiger sein sollte, das Pferd als Lebewesen, das ein subjektives Bewusstsein besitzt und Leid intensiv fühlen kann, in den Mittelpunkt zu stellen. Denn Pferde sind nunmal keine Sportgeräte. Sie sind fühlende, sensible Lebewesen. Sie empfinden Freude, Angst, Unsicherheit und Stress. Sie schließen Freundschaften, sie trauern, sie kommunizieren mit ihrer Körpersprache und vertrauen uns Menschen oft bedingungslos, obwohl wir eine ganz andere Sprache als sie sprechen und sie genau wissen, dass wir Raubtiere und sie Fluchttiere sind. Gerade deshalb tragen wir eine enorme Verantwortung und dieses Vertrauen sollten auf keinen Fall ausgenutzt werden. Doch leider scheint diese Verantwortung immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Immer jüngere Pferde sollen immer schneller funktionieren. Sie werden früh angeritten, früh auf Leistung trainiert und häufig an ihre Grenzen gebracht. Der Druck, erfolgreich zu sein, immer höher zu springen oder bessere Ergebnisse zu erzielen, scheint oft wichtiger zu sein als die Bedürfnisse des einzelnen Pferdes. Dabei wird vergessen, dass dauerhafter Stress nicht nur für uns Menschen schädlich ist. Auch Pferde leiden darunter. Zu viel Stress kann zu Schlafmangel, Muskelschwäche, Magengeschwüren, Verhaltensauffälligkeiten oder sogar schweren gesundheitlichen Problemen führen. Viele Pferde zeigen ihre Überforderung nicht durch offensichtliche Gegenwehr, sondern ziehen sich zurück. Sie funktionieren einfach, statt zu leben. Doch nur weil ein Pferd still ist, bedeutet das nicht, dass es ihm gut geht. Immer wieder sieht man Pferde, in dessen Augen Schmerz und Angst stehen, die schlecht gehalten werden, unzureichenden Sozialkontakt haben und/oder unter einem Alltag leiden, der kaum noch etwas mit ihrer Natur zu tun hat. Pferde sind Herdentiere. Sie brauchen Bewegung, Platz, frische Luft, soziale Kontakte und die Möglichkeit, einfach Pferd sein zu dürfen. Doch allzu oft müssen sie sich an unser Leben anpassen, anstatt dass wir uns ihren Bedürfnissen anpassen.
Diese Erkenntnisse und das Verhalten meines Pferdes, das an dieser Welt zerbrochen ist, haben meine Sichtweise verändert. Ich habe mich pro Pferd und gegen den Turniersport entschieden und begann, alles zu hinterfragen, und mich mit Pferdeverhalten und Pferdeschutz auseinanderzusetzen. Dabei wurde mir immer klarer, dass ich nicht länger nur zuschauen wollte. Ich wollte etwas verändern.
Durch mein Engagement bei Pro Equis e.V. habe ich eine ganz neue Seite des Umgangs mit Pferden kennengelernt. Mein Pferd ist aufgeblüht und wirkt glücklicher als je zuvor, was mir meine Entscheidung bekräftigt. In der Eulenmühle geht es nicht um Schleifen und Platzierungen. Es geht um Vertrauen. Um Geduld. Um Aufklärung. Und darum, Pferden eine Stimme zu geben, wenn sie selbst keine haben. Es gibt nichts Schöneres, als einem Pferd dabei zuzusehen, wie es nach schlechten Erfahrungen wieder Vertrauen in die Menschen und auch in sich selbst, gewinnt. Zu sehen, wie Angst der Neugierde weicht, wie aus Unsicherheit Lebensfreude wird und wie ein Tier, das vielleicht längst aufgegeben hatte, wieder anfängt, einfach glücklich zu sein. Solche Momente sind unbezahlbar.
Und auch mich selbst hat der Pferdeschutz verändert. Er hat mich gelehrt, genauer hinzusehen, mehr zuzuhören und die Bedürfnisse der Pferde wirklich ernst zu nehmen. Ich habe dadurch nicht nur eine Aufgabe gefunden, sondern eine Leidenschaft. Das Gefühl, etwas Sinnvolles, etwas Gutes zu tun und für diejenigen einzustehen, die keine eigene Stimme haben, erfüllt mich jeden Tag aufs Neue, viel mehr als es die Jagd nach Schleifen und Erfolgen je geschafft hätte.
Mir ist dabei jedoch eines wichtig: Ich möchte mit diesem Artikel niemanden verurteilen, der den Pferdesport liebt oder ausübt. Es gibt viele Reiter, Trainer, und Pferdebesitzer, die ihre Tiere mit Respekt behandeln und deren Wohl immer an erster Stelle setzen. Sie beweisen, dass ein fairer und pferdegerechter Umgang möglich ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass solche Menschen immer seltener werden. Zu oft stehen Ehrgeiz, Erfolg und Profit im Vordergrund. Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle wieder lernen, Pferde nicht als Mittel zum Zweck zu sehen, sondern als das, was sie wirklich sind: empfindsame Lebewesen und unsere Partner.

Vielleicht bedeutet echter Sport nicht, immer höher, schneller und weiter zu wollen. Vielleicht bedeutet echter Sport, zu erkennen, wann es Zeit ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Für mich war dieser Weg der Pferdeschutz. Und ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.




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